In jedem Jahr erscheint in unserem Molitor-Weinbrief ein ausführlicher Jahrgangsbericht. Wer diesen aufmerksam liest, wird merken, dass es nicht eine simple Anpreisung und Vorstellung des "neuen" Jahrgangs ist, sondern dass daraus die große Verschiedenheit und Einzigartigkeit eines jeden Jahrganges hervorgeht. Ein wenig von dem Schicksal, aber auch der Faszination, die der Winzer in jedem Jahr wieder neu erlebt, dass es nie einen gleichen Witterungsverlauf gibt und alleine schon deswegen nie einen gleichen Wein geben kann, möchten wir unseren Lesern vermitteln, die diesen Jahresablauf dann nachher im Glas genießen dürfen.
Weinberg, Rebsorte, An- und Ausbautechnik, Lesekultur - alles kann der Winzer festlegen, bestimmen, steuern, damit sowohl auf glückliche als auch tückische Wetterverläufe eines Jahres eingehen. Bestimmen hingegen kann er den Jahrgang nicht, starkes Korrigieren würde ihn in seiner Eigenart zerstören, das Ziel eines jeden Markenproduktes.
Das Weingut Markus Molitor hat es sich zum Ziel gesetzt, die Individualität, den ganz bestimmten Zauber eines Jahrgangs, so gut und so sorgfältig wie möglich bei jedem Wein herauszuarbeiten. Der Geschmack der Trauben, völlig anders in jedem Jahr, soll sich in der Flasche widerspiegeln. Auch wenn die Hefen, die Gärung, der Ausbau diesen natürlich verwandeln, so bleibt doch ein Grundton, eine bestimmte Kraft oder Zartheit, eine knackige kernige Säure oder eine weiche und milde Säure, opulente überschäumende Fruchtigkeit oder ein eher mineralischer Charakter. Niemand kann es genau beschreiben, so vielfältig sind die Nuancen und je nach Lage, Lesedatum, Ausbaurichtung natürlich immer etwas anders. Aber feststellen kann es jeder, der unsere Jahrgänge nebeneinander probiert, wie charakteristisch ein jeder im Grunde ist, wie der eine zum Wegzechen verführt, der andere zum faszinierenden Genießen, der nächste ganz unbedingt zu dem und dem Gericht famos passt. Dass je nach Person, nach Jahres- und Tageszeit, nach Lust und Laune und körperlicher Verfassung immer wieder andere Jahrgänge es auf den Punkt treffen, Spaß und Glück im Glas bereiten, ist für uns und die intimen Kenner unserer Weine selbstverständlich. Treffsicher geht man dann in den Keller und greift intuitiv nach dem Richtigen.
Als kleine Hilfe, als Anregung zum Genießen und Ausprobieren, haben wir uns nun bemüht, die letzten Jahre unserer Erzeugung in einer aktuellen Bestandsaufnahme zu beschreiben. Es sollen Trink- und Lagerungsempfehlungen sein, aber auch eine Dokumentation der Tatsache, dass alle diese Jahrgänge aktuell sind, dass es eigentlich fast keinen Wein gibt aus dieser Zeit, der heute schon wirklich zu alt wäre. Im Gegenteil: dass es sogar sehr viele Weine aus vielen älteren Jahrgängen gibt, die noch völlig verblüffend frisch sind, noch viel Zeit vor sich haben - und dies sogar nicht nur bei den restsüßen Weinen, die generell ein großes Potenzial haben. Auch viele über zehn Jahre alte trockene und halbtrocken-feinherbe Weine präsentieren sich in glänzender Verfassung. Und der ein oder andere all dieser Weine befindet sich sogar, wenn auch meist in sehr geringer Menge, in unserem aktuellen Angebot. Wir reden also nicht nur über ältere Jahrgänge, wir können dank der Größe unseres Weingutes auch noch das ein oder andere anbieten. Im kostbaren edelsüßen Luxusbereich ist es sicherlich eine völlig einzigartige Auswahl auf der Welt.
RIESLINGSPÄTBURGUNDER